Digitalisierung, LEAN, agile | Dirk Hellmuth

Standpunkt: Nur Digitalisierung reicht nicht – es braucht eine moderne Organisation

By |2019-10-03T15:32:52+00:00Oktober 3rd, 2019|Moderne Organisation, Standpunkt|

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  • Digitalisierung wird heute oftmals falsch verstanden und als technisches Thema betrachtet, das man in Projekten abarbeiten kann
  • Digitalisierung ist mehr: Treiber von Veränderungen im Umfeld von Unternehmen und gleichzeitig ein starkes Werkzeug, um darauf zu reagieren
  • Der Aufbau digitaler Kompetenzen ist wichtig, alleine jedoch nicht ausreichend
  • Das Marktumfeld und die Kundenbedürfnisse verändern sich u.a. durch Digitalisierung immer schneller
  • Unternehmen müssen als Reaktion darauf ihr Selbstverständnis und ihre Organisation hin zu einer existentielle Flexibilität entwicklen
  • Verstehen und nutzen sie das Werkzeug Digitalisierung sinnvoll UND entwicklen sich aktiv zu einer existentiell flexiblen Organisation, haben sie eine gute Basis für längerfristigen Erfolg.

Digitalisierung ist das Schlagwort unserer Zeit, wenn es um die Zukunftsfähigkeit von Unternehmen geht. In der Tat spielt sie eine wichtige Rolle – zum Erfolg wird sie allerdings nur führen, wenn sie mit einer Modernisierung der gesamten Organisation einhergeht. Wenn Sie gerade darüber nachdenken, wie Sie Ihr Unternehmen in die Zukunft führen oder sich fragen, warum Ihre Digitalisierungs-Initiativen nicht den gewünschten Effekt bringen, möchte ich Ihnen dazu Denkanstösse aus der Praxis geben.

 

Was ist „Digitalisierung“?

Jeder spricht heute von Digitalisierung. Doch was bedeutet das überhaupt? Was wir heute als Digitalisierung bezeichnen sind neue, exponentielle digitale Möglichkeiten, die durch das Zusammentreffen technologischer Entwicklungen gespeist werden:

  • immense, mobile Rechenleistung und Sensorik (z.B. in unseren Smartphones)
  • ständige Verfügbarkeit von Datenverbindungen
  • kostengünstige, ortsunabhängige Verfügbarkeit von riesigen Speicher- und Rechenkapazitäten (in der Cloud)

Diese Entwicklungen ermöglichen die Umsetzung von Anwendungsfällen, die wir vor wenigen Jahren noch als Science-Fiction abgetan hätten. Autonomes Fahren, intelligente Roboter und künstliche Intelligenz sind nur einige der Bereiche, in denen massive Durchbrüche erzielt wurden und auch in Zukunft werden.

 

Was bewirkt Digitalisierung?

Digitalisierung ist ein Treiber von Veränderungen im Umfeld von Unternehmen. Neue technologische Möglichkeiten verändern die Bedürfnisse und das Verhalten Ihrer Kunden. Zusätzlich wird es branchenfremden Mitbewerbern deutlich erleichtert, in kurzer Zeit Ihren Markt zu betreten und zu ernsthaften Mitbewerbern zu reifen.

Gleichzeitig ist Digitalisierung ein starkes Werkzeug für Ihr Unternehmen, um diese Veränderungen zu erkennen und sie sich zunutze zu machen. Die technologischen Möglichkeiten, die auf der einen Seite die Veränderungen im Umfeld antreiben, kann Ihr Unternehmen gleichsam nutzen, um darauf zu reagieren. Denn noch nie war es so einfach und günstig, Kundenbedürfnisse aus Daten heraus zu analysieren oder Prototypen von Produkten zu erzeugen (z.B. mit Hilfe von 3D-Druck) und in einer sehr frühen Phase bereits das Feedback ihrer Kunden einzuholen und auch in der Folge schnelle Feedbackschleifen zu nutzen, um das Produkt „nah an Ihrem Kunden“ weiterzuentwickeln.

 

Warum Digitalisierungs-Initiativen alleine nicht ausreichen

Digitalisierung erscheint auf den ersten Blick als technisches Thema, das Sie über bekannte Vorgehensweisen wie Initiativen, Programme oder Projekte „abarbeiten“ können. In vielen Unternehmen werden mit hoher Aufmerksamkeits-Wirkung Digitalisierungsprojekte gestartet. Unternehmensverantwortliche lassen sich dazu verleiten anzunehmen, dass man nun ein zukunftsfähiges Unternehmen sei. Digitalisierung erledigt, auf der ToDo-Liste wird ein Haken dran machen und ansonsten geht alles weiter wie bisher.

Leider geht es so leicht nicht. Digitalisierung ist kein Projekt, das Sie umsetzen können. Die Veränderungen im Marktumfeld und der Bedürfnisse Ihrer Kunden werden immer weiter gehen. Sie werden sich sogar weiter beschleunigen. Digitalisierung geht nicht mehr weg. In Zukunft werden Sie sich viel intensiver und ohne Unter mit den Veränderungen befassen und darauf reagieren müssen.

Es ist wichtig, dass Sie das Werkzeug Digitalisierung beherrschen – mindestens ebenso wichtig ist es, dass Sie die in Ihrem Unternehmen die Kernkompetenz etablieren, die Veränderungen „da draußen“ zu erkennen und schnell darauf zu reagieren.

 

Moderne Organisation

Viele Unternehmen sind heute hierarchisch organisiert und auf Effizienz getrimmt. Der Erfolg der Vergangenheit gibt Ihnen recht – warum jetzt etwas ändern? Weil sich das Umfeld verändert und ein „immer weiter so“ schnell fatale Folgen haben kann. Prominente Beispiele wie Kodak oder Nokia zeigen die Notwendigkeit auf. Im Zuge der Digitalisierung muss Ihr Unternahmen seine Denk- und Arbeitsweisen weiterentwickeln und dabei Gewohnheiten, die zum Erfolg geführt haben, aktiv hinterfragen und hinter sich lassen.

Moderne Organisation

Moderne Organisation

Eine moderne Organisation sucht aktiv nach Veränderungen, begrüßt diese und reagiert schnell darauf.

Eine moderne Organisation wird getragen von vier Kernaspekten

  • einem in Form von Vision und Mission ausgedrückten Sinn, warum des das Unternehmen gibt
  • existentielle Flexibilität
  • ein Umfeld des Vertrauens und der Zusammenarbeit für die Mitarbeiter
  • Digitalisierungs-Kompetenzen

 

Vision und Mission dienen dazu, den Sinn des Unternehmens zu formulieren. Sie formuliert einen positiven Zustand in der Zukunft, den das Unternehmen durch seine Leistungen und Produkte erreichen will. Sie dient auch dazu, den Mitarbeitern einen Sinn ihrer Arbeit zu vermitteln und dadurch die Motivation und Loyalität zu fördern. Sie dient dazu, bei aller Flexibilität eine Richtung zu behalten, um nicht ins Schlingern zu geraten.

 

Existentielle Flexibilität umfasst die Fähigkeit, Veränderungen zu erkennen und schnell in Maßnahmen umzusetzen. Hier bedarf es einer großen Offenheit aller Beteiligten sowie einer Organisation, die schnell Dinge umsetzt, ausprobiert und lernt. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie kurzfristig der Wert der eigenen Leistungen für den Kunden gesteigert werden kann – damit dieser sich immer wieder dafür entscheidet, bei diesem Unternehmen zu kaufen. 5-Jahrespläne und jährliche, starre Zielvereinbarungen mit Mitarbeitern sind keine Mittel der Wahl mehr, da sie die notwendige Agilität verhindern.

 

Gleichzeitig steigt die Bedeutung der Menschen in den Unternehmen. Maschinen werden auch in absehbarer Zukunft nicht kreativ sein und sich nicht empathisch in Kunden hineinversetzen können. Dies können nur die Mitarbeiter, womit ihre Bedeutung für das Unternehmen steigt. Kreativität und der Mut, neue Dinge auszuprobieren, benötigen ein Umfeld, in dem den Mitarbeitern Vertrauen geschenkt wird und in dem sie sich sicher fühlen und gerne ihr Bestes geben. Klassisches Management, welches Zahlen, Weisung und Kontrolle in den Vordergrund stellt, steht dem entgegen – ein Wandel zu einem Führungsstil, der den Menschen im Fokus hat („agile Leadership“) ist eine notwendige Weiterentwicklung im Unternehmen.

 

Die Digitalisierungs-Kompetenzen sind wichtig, um Prozesse im Unternehmen effizienter zu gestalten. Mehr noch, sind sie elementar, um Informationen zu liefern, damit das Unternehmen die richtigen Entscheidungen treffen kann. In all den Informationen, die Unternehmen heute bereits sammeln, steckt eine Menge ungenutztes Potential, um Entscheidungen auf Basis von Daten statt auf historischer Erfahrung und Glaubenssätzen zu treffen. Die Kompetenz, über digitale Lösungen die richtigen Daten zu sammeln, schnell zu testen, auszuwerten und zu entscheiden, ist die Grundlage dafür, Veränderungen im Umfeld zu erkennen und gezielt zu agieren. Sie muss so alltäglich werden, wie heute Emails schreiben.

 

Fazit

Unternehmen, die in Zukunft erfolgreich sein wollen, müssen sich auf mehreren Ebenen gleichzeitig entwickeln. Digitalisierung ist eine davon – kann jedoch nicht alleine erfolgreich sein. Damit Ihr Unternehmen erfolgreich bleibt, müssen Sie es neben den Digitalisierungs-Initiativen parallel zu einer modernen, flexiblen Organisation entwickeln, die Veränderungen erkennt und begrüßt, deren Sinn klar herausgearbeitet ist und in der Mitarbeiter ein Umfeld vorfinden, in dem sie von sich aus gerne ihr Bestes geben.